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Das System der Rufbusse muss sich im Kreis erst noch etablieren. Archivfoto: Nico Kiesel VON KERSTIN FISCHER Wie funktioniert der "vollflexible" Rufbus? Was kostet die Fahrt? Wer kann ihn rufen? Ein neues Angebot ist das eine - seine Umsetzung in der Praxis das andere. Artern. Das weiß auch die Verkehrsgesellschaft Südharz (VGS), deshalb gibt es in diesen Tagen etliche Infoveranstaltungen. Nach dem Auftakt beim Seniorennachmittag in Hauteroda am Dienstag in Artern. Um 10 Uhr sahen sich Carolin Thiele und Sylvia Kern vom Marketing der VGS weitgehend allein im Raum 1 des Rathauses. Joachim Mühler ist da und dann noch eine Geschäftsfrau aus Artern, die jeden früh den Bus von Reinsdorf nimmt und nun irritiert ist über den Wegfall der Verbindung in den Ferien. Ein klarer Fall für den Rufbus, sollte man meinen. Doch Monika Limberg findet nichts davon im Fahrplan. Müsste der Rufbus nicht Gelb hinterlegt sein? "Damit ist der normale Rufbus gekennzeichnet", klärt Carolin Thiele die Reinsdorferin auf. Ein Hinweis auf den flexiblen Rufbus findet sich deshalb nicht in der Tabelle, weil der Rufbus so flexibel ist, dass er an keine Zeit gebunden ist. Lernprozess auf beiden SeitenEinerseits gut, dass es das neue Angebot gibt. Andererseits muss man das erst einmal wissen, um es überhaupt nutzen zu können. Die Geschäftsfrau, die gleich wieder zurück in den Laden muss, geht beruhigt. Genau darum reisen Carolin Thiele und Sylvia Kern durch die Region. "Auch die Hemmschwelle ist oft groß", weiß Sylvia Kern. "Viele Leute haben ein schlechtes Gewissen, weil sie denken der Bus fährt nun allein ihretwegen". Dabei sei das Gegenteil der Fall: Die Linien sollen erhalten bleiben. Aber nicht mit sinnlosen Leerfahrten. Genau hier hakt Joachim Mühler ein. Er ist extra aus Bad Frankenhausen gekommen - mit dem Bus. Service, sagt er, gut und schön. Linienfahrten, die sich am Schulbusverkehr orientieren, auch ok. "Aber die anderen Fahrgäste darf man nicht vernachlässigen", findet er. Dass ein Rufbus nun sogar schon am Vormittag eingesetzt werden muss, kann er nicht nachvollziehen. Viele Verbindungen seien zerstückelt worden oder entfielen ganz. Aus mancher Zweistundenfahrt ist heute ein Halbtagesausflug geworden. Wer, fragt er, soll sich so etwas noch antun? Mit Inkrafttreten des neuen Fahrplans habe er auch wieder "rapide Verschlechterungen" feststellen müssen. Dabei könne man Leute doch nur zum Busfahren bewegen, wenn man ihnen Angebote macht. Es bewegt ihn, das ist Mühler anzumerken. Er nimmt gern den Bus, wenn es sich anbietet, sagt der Frankenhäuser, der sich auskennt mit Linien und Fahrzeiten, routiniert im Fahrplanheft blättert und gezielt fragt. Als verwirrend und wenig kundenfreundlich empfindet er auch die verschiedenen Rufnummern für den Rufbus. Drei Stück gebe es: Eine mit Vorwahl Magdeburg, eine mit Vorwahl Hettstedt und eine Mühlhäuser. Als Grund führen die Frauen von der VGS, die gemeinsam mit der Busgesellschaft Unstrut-Hainich/Kyffhäuser den Kreis bedient, die Gemeinschaftslinien an. Vieles lässt sich im direkten Gespräch klären, einige Fragen nehmen die Frauen auch mit. Es ist ein neuer Service mit einem Lernprozess. Auf beiden Seiten. Auch aus diesem Grund freuen sie sich über Anregungen, Einladungen und volle Häuser auf ihren Informationsveranstaltungen. (Aus der Thüringer Allgemeine/ Ausgabe Artern vom 11.12.2012) |