Nachdem abzusehen war, dass alle Bauarbeiten an der Unstrutbahn zum 01.10.1889 vollständig abgeschlossen sein würden, konstituierte sich ein Festkomitee zur Vorbereitung der Eröffnungsfeierlichkeiten. Im Anzeiger für Artern und Umgebung wurde am Dienstag, dem 24. September 1889 über die vorgesehenen Festaktivitäten informiert. Eine weitere Ausgabe berichtete, dass sich weit über 200 Personen an der Eröffnungsveranstaltung der Naumburg- Arterner Eisenbahn ihre Teilnahme bereits angemeldet haben und dem Programm gemäß am Bahnhof in Artern eine kleine Vesper (ein Frühstück) gegen 12.00 Uhr einnehmen werden.

Am 30. September 1889 war es dann soweit! Einen Tag vor der offiziellen Inbetriebnahme setzte sich ein voll besetzter Sonderzug u.a. mit Herrn Minister Maybach und zahlreichen anderen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft der damaligen Zeit von Naumburg in Richtung Artern, genau um 8.50 Uhr, in Bewegung. Mit kurzen Zwischenhalten auf allen Unterwegshaltepunkten, einem längeren Zwischenstopp in Laucha/Unstrut, zur ersten Vesper, traf der Sonderzug planmäßig gegen 12.00 Uhr im Bahnhof in Artern ein. Begrüßt durch zahlreiche Kanonenschläge, eine Musikkappelle sowie einem Heer an Menschen, wurde hier die festliche Einfahrt militärisch als auch volksfestähnlich begangen. Nach einer kleinen Vesper, so der Arterner Anzeiger aus dieser Zeit, setzte sich der Sonderzug exakt um 12.48 Uhr an einem schönen Herbsttag, mit ca. 240 mitgereisten Gästen, wieder in Bewegung in Richtung Gehofen, Roßleben, Nebra, Laucha und Naumburg/Saale.

Mit dieser Sonderfahrt zur Einweihung der Unstrutbahn von Naumburg an der Saale nach Artern/Unstrut und am selben Tag zurück, begann der regelmäßige Bahnbetrieb dieser Eisenbahnstrecke im historisch bedeutsamen Unstruttal von Artern über Nebra nach Naumburg. So wurde am 1. Oktober 1889 dann der fahrplanmäßige Zugbetrieb hier aufgenommen. Der frisch herausgegebene erste Fahrplan der Bahn wies 4 Personenzüge nach Artern und ebenso viele nach Naumburg auf. Demnach dauerte eine Fahrt von Naumburg nach Artern 2 1/2 Stunden, in umgekehrter Richtung wegen Zugkreuzungen in Roßleben, Nebra und Laucha ca. 20 Minuten länger. Ganz normal zu dieser Zeit ohne Streß und Hast.

Sonderfahrplan zur Streckeneinweihung

Sonderfahrplan zur Einweihung der Unstrutbahn vom 30. September 1889
(Aus: "Die Unstrutbahn Artern-Naumburg" von Paul Lauerwald)

Fahrkarte_Eroeffnungsfahrt (141K)

Fahrkarte zum Festzug vom 30. September 1889
(Aus: "Die Unstrutbahn Artern-Naumburg" von Paul Lauerwald)

Doch schon am drittenTag der Inbetriebnahme, am Vormittag des 3. Oktober 1889, musste der Fahrbetrieb zwischen Donndorf, Roßleben, Nebra und Naumburg wieder eingestellt werden. Ein zu schnelles Vorantreiben der Bauarbeiten kurz vor der Streckeneröffnung und dadurch schnell verfüllte und schlecht verdichtete Abschnitte waren die Ursache mehrerer Dammrutsche wie auch Gleissenkungen und Gleisverwerfungen. Die entsprechenden Reparaturarbeiten dauerten hier vier Tage, so dass ab dem 06. Oktober wieder ein durchgängiger Zugverkehr zwischen Naumburg, Nebra sowie Roßleben und Donndorf bis nach Artern möglich war.

Grundsätzlich aber war das erste Betriebsjahr von einer stetigen Aufwärtsentwicklung ge kennzeichnet, dem auch weitere Ausfälle und Unfälle, etwa eine Dammunterspühlung durch das Winterhochwasser im Januar 1890, bei Donndorf, eine Reisezugentgleisung, im März 1890, bei Reinsdorf und Gehofen oder aber ein tödlicher Unfall bei Rangierarbeiten eines sogenannten Hilfsbremsers unweit einer Kiesgrube bei Wangen (Nebra) nichts anhaben konnten. So betrug, einer Meldung des Querfurter Kreisblattes vom 9. Janurar 1990 zufolge, der Per sonenverkehr im ersten Drittel des Bestehens der Unstrutbahn, ausweislich des Fahrkarten verkaufs, etwa 23000 Personen. Das war für eine solche Bahnstrecke beachtlich! Demnach wurden die Fahrpläne zu dieser Zeit mehrfach verändert, statt vier Zugpaare in jeder Richtung nunmehr fünf eingesetzt sowie Anschlüsse in Artern und Naumburg verbessert.

Ganz davon abgesehen, welchen Aufschwung die Bahn für die Region um Nebra und Rossleben brachte. Kommunen und Wirtschaft zeigten sich mit dieser Entwicklung sehr zufrieden. Bald schon wurden neue Pläne geschmiedet, um Seitentäler der Unstrut mit der Bahn zu erschließen. So wurden auch Laucha und Vitzenburg Ausgangspunkt weiterer Lokalbahnen, in Karsdorf und Roßleben entwickelten sich mit der aufsteigenden Kali- und Zementindustrie große Anschlußbahnen und im gesamten Streckenverlauf entstanden zahlreiche Güter- und Verladegleise. So kam der Unstrutbahn eine immer wichtigere Erschließungsfunktion für die Region zu.